Wir schreiben Geschichte #30: Katharina Grabher

Katharina Grabher, 64, lebend in Vorarlberg und Wien, Schauspielerin.

1. Wann haben Sie zum ersten Mal bemerkt, dass da etwas auf uns zukommt, das uns alle betrifft?

Anfang Februar 2020

2. Was war für Sie in dieser Zeit am schlimmsten?

Die Etablierung von Hass und Ausgrenzung als Mittel zur Durchsetzung unlauterer Ziele, die den Menschen schaden, die Verbreitung von Lügen und Verleumdungen durch eine sich als kritische „qualitätvoll“ gerierende Presse und die Weigerung, Evidenz und kritische Vernunft walten zu lassen; bzw. jene, die sich derer bedienen, mit Acht und Bann zu belegen.

3. Gibt es auch etwas, von dem Sie im Nachhinein sagen würden, da ist etwas Gutes passiert, das ohne diese Krise nicht möglich gewesen wäre?

Die Erfahrung der eigenen Resilienz und des Muts, nicht mit den Wölfen zu heulen, sondern auf- und entgegenzustehen. Die Ent-täuschung darüber, dass auch nach Jahrzehnten von „Aufarbeitung und Erziehung zu Demokratie“ die lauthals verkündeten „nie mehr wieder“ Parolen bloße Makulatur sind.

4. Was war für Sie besonders hilfreich, um gut durch die Krise zu kommen?

Mein Vater, meine Schwester und all jene Menschen, die ich durch und in dieser schweren Zeit kennen- und schätzen gelernt habe und jene Medien und Plattformen, die sich frühzeitig gegen den Wahnsinn engagiert und ihr profundes Wissen zur Verfügung gestellt haben.

5.  Stellen Sie sich vor, mitten in dieser schwierigen Zeit wäre eine gute Fee dagewesen, die Ihnen einen Herzenswunsch erfüllt hätte. Was hätten Sie sich gewünscht?

„Oh Fee, lass Hirn vom Himmel regnen“ und einen alttestamentarischen Engel mit dem Flammenschwert, der die Fehlgeleiteten, Ängstlichen und Hasserfüllten mit biblischem Zorn zur Raison bringt.

6. Gab es etwas, das Sie wütend gemacht hat?

Alles, was an Unsinn und Lüge und bar jeder Vernunft als unumgänglich diktiert wurde und die Katzbuckelei und Speichelleckerei der sonst so kritischen Künstlerszene.

7. Gab es etwas, von dem Sie sagen würden, das war eine Schande oder dafür muss man sich schämen?

Die Bereitschaft, in Windeseile die behaupteten universalen Menschen- und Grundrechte zu entziehen und Denunziation und Hass als akzeptable gesellschaftliche Wirkkräfte zu institutionalisieren.

8. Viele Leute berichten, dass es für sie auch eine Zeit voller Angst gewesen ist. Wie war das bei Ihnen? Und wie sind sie damit umgegangen?

Angst hatte ich nur in den ersten drei Wochen, dann war die Angst vor dem Virus vorüber; was blieb waren Wut und Zorn und die Bereitschaft zu kämpfen.

9. Gibt es Personen, mit denen Sie sich entzweit haben? Wie sind Sie damit umgegangen?

Ja ich habe mich mit einigen Leuten entzweit und ich betrachte diese Brüche als Gewinn, denn jeder dieser Personen wohnt eine toxische Angst inne und ein Haß auf alles und jedes, was nicht massenkonform ist.

10. Gibt es Personen, die Sie während der Krise aufgrund ihres Verhaltens bewundert haben oder die sich Ihre Achtung verdient haben?

Alle jene, die sich – auch wenn es nachteilig für sie war, sich mit Mut und profundem Wissen, gegen den Wahnsinn engagiert haben.

11. Inwiefern hat Sie diese Krise geprägt? Gab es Talente oder Fähigkeiten, die Sie hervorholen oder entwickeln mussten?

Die Fähigkeit auch dann zu widerstehen, wenn man Angst hat oder es Nachteile bringt und diese Gedanken zu verschriftlichen und sprachlich gestalten zu können.

12. Stellen Sie sich vor, eines Tages hätten Sie die Gelegenheit, einer Schulklasse, die zu dieser Zeit noch nicht auf der Welt war, von Ihren Erlebnissen zu erzählen. Gibt es so etwas wie eine Lehre oder einen Tipp, den Sie den Kindern mitgeben könnten?

Der neue Faschismus wird sich als „Anti Faschismus“ zeigen. Und ein Zitat von Viktor Frankl: „Es gibt nur 2 Rassen von Menschen: die anständigen und die unanständigen.“

13. Wenn Sie einen Blick in die Zukunft tun könnten, was denken Sie aus heutiger Sicht, wie könnte unsere Welt in einigen Jahren aussehen?

Im positiven Fall menschlicher; im negativen Fall als dystopische totale Herrschaft.

14. Möchten Sie noch etwas erzählen, nach dem nicht gefragt wurde?

Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, sich Zeit zu nehmen für seine Gedanken und wie wertvoll die Zeit mit zugeneigten Menschen ist.